Erstaunlich, aber wahr: was die Favoriten für die Goldene Palme am Sonntag betrifft, gibt es in diesem jahr einen echten Kandidatenmangel. Ganz vorne auf den Listen machen sich lediglich zwei Filme Konkurrenz, das ist der Kritikerliebling „Another Year“ von Mike Leigh und „Des hommes et des dieus“ von Xavier Beauvois. Danach kommt erstmal länger nichts weiterlesen »
Weitere Schreckensfacetten des Irakkonflikts: Loach und Liman
21 Mai 2010 von bschweizerhofNur einen Tag vor Festivalbeginn war die Teilnahme von Ken Loach und seinem Film „Route Irish“ im Wettbewerb bekanntgegeben worden. Der ungewöhnlich späte Zeitpunkt – alle Programmhefte waren bereits alle gedruckt – reichte aus, um “den neuen Loach” zu einem der meist erwarteten Filme der diesjährigen Auswahl zu machen. weiterlesen »
Glaube, Liebe, Hoffnungslosigkeit
21 Mai 2010 von bschweizerhofGlaube, Liebe, Hoffnungslosigkeit – das kännte gut das Motto des diesjährigen Filmfestivals von Cannes sein. Für die acht Mönche, um die es in Xavier Beauvois’ Film „Des hommes et des dieux“ geht, sind Glaube, Liebe und Hoffnung mehr als nur ein Wortspiel, sondern noch echte Konsequenz ihrer Entscheidung, ihr Leben in einem abgelegenen Kloster im algerischen Atlasgebirge zu verbringen. Die Bedrohung durch islamistische Terroristen bringt die acht alten Männer in eine merkwürdige und prekäre Stellung zwischen den Fronten: weiterlesen »
Godard lässt grüßen
20 Mai 2010 von SHorstDie großen, die ganz großen Themen dieser Welt hat Jean-Luc Godard in seinem „Film socialisme“ zusammengeschoben. Der lief nicht in der Konkurrenz, sondern bei „A Certain Regard“, gehörte aber zu den Ereignissen im Mittelteil der Festspiele: Bis zum letzten Tag hoffte man, Godard, der 2004 zum letzten Mal in Cannes war, würde vielleicht wieder zu einer seiner legendären Pressekonferenzen erscheinen. Am Montagmorgen dann eine Postkarte, abgedruckt in der „Libération“: Fürs Festival würde ich bis in den Tod gehen, schreibt Godard. Aber ich mache keinen weiteren Schritt mehr. weiterlesen »
Wie John Milius einen Film in den Sand setzte und Steven Spielberg beinahe gesurft wäre
20 Mai 2010 von SHorstDer Regisseur ist im Anzug da. Und barfuß. Wir sind ja auch am Strand, im Cinéma de la Plage. Draußen in der Bucht schunkeln die Schiffe, im Hintergrund strahlt die Croisette, und ein Verkäufer schreit „Chouchou“ – das sind diese gebrannten Nüsse, die es an jedem ordentlichen französischen Strand gibt. Im flachen Wasser steht die Leinwand, davor Liegestühle, weiße Decken. Sehr passend das alles heute. weiterlesen »
Alles so erwachsen hier
19 Mai 2010 von bschweizerhofFast scheut man sich, es so zu benennen, aber je länger das Festival dauert, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass der Wettbewerb in diesem Jahr den Alten gehört. Wären damit nur die sogenannten Regiealtmeister wie Godard, Frears, Mikhalkov, Leigh, Loach oder Tavernier gemeint, die hier ihre letzten Werke in und außerhalb der „Competition“ vorstellen, würde es kaum auffallen; das ist jedes Jahr ganz ähnlich. Nein, auffällig wie nie ist in diesem Jahr, dass die Mehrzahl der Filme hier, im harten Kontrast zu dem, was aktuell in den Kinos startet, von alten oder sagen wir besser erwachsenen Menschen handelt. weiterlesen »
Lieblingsszene
17 Mai 2010 von bschweizerhofNach fünf Festivaltagen noch kein weiterer Lieblingsfilm, aber immerhin eine Lieblingsszene: Imelda Staunton spielt in Mike Leighs „Another Year“ eine Frau mit Schlafproblemen. Ihre Ärztin schickt sie zur Psychologin. Dort sitzt sie dann mit verkniffenem Gesicht, vollkommen versteinert in ihrem Unglück. weiterlesen »
Anfang oder Ende?
16 Mai 2010 von bschweizerhofJean-Luc Godards Film „Socialisme“ wird unmittelbar nach der Weltpremiere hier in Cannes morgen, am 17. Mai, für zwei Tage als Video on Demand auf www.filmotv.fr verfügbar sein, für 7 Euro, so wurde gemeldet. Als Novum klingt das aktuell, originell und ganz im Sinne des Filmtitels. Aber das Angebot regt natürlich zu weitergehenden Überlegungen an: weiterlesen »
Böser Luxus
16 Mai 2010 von SHorstJa, Geld ist zweifellos ein großes Thema des Kinos. Soll und Haben. Die da oben, wir hier unten, Hütten und Paläste. Dazu passen auch die neuen Dienstboten-Filme. Im Juni startet bei uns im Kino „La Nana“, der ein Hausmädchen, eine Nanny, am Rande des Nervenzusammenbruchs zeigt: da ist eine Frau, die jedem gerecht wird, bloß nicht sich selbst, eine Beschäftigte, die sich von ihrem Betrieb nicht abgrenzen kann, die sich mit Haut und Haaren auffressen lässt. Im Wettbewerb in Cannes hat der Regisseur Im Sangsoo seine Aktualisierung eines koreanischen Filmklassikers vorgestellt. Ähnliche Konstellation, ähnlicher Titel: „The Housemaid“ – das ist eine noch junge, alleinstehende, sehr hübsche und sinnenfrohe Frau, die bei einem offenbar superreichen Geschäftsmann und seiner hochschwangeren Gattin als Kindermädchen und Köchin anheuert. weiterlesen »
“Sterben? Kann auch nur mir passieren”
16 Mai 2010 von SHorstWoody Allen hat ja schon früher zu Protokoll gegeben, dass er vom Sterben nichts hält – jedenfalls wolle er nicht dabei sein, wenn’s passiert. Auf der Pressekonferenz zu seinem neuen Film „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ sagt er das auch noch mal. Er sitzt da, wie immer in Hemd und Pullover, vor sich ein Heißgetränk – er ist ein bisschen erkälte. Schauspielen, meint er, eigentlich ganz aufgeräumt, mache keinen Spaß mehr, wenn man aus dem Alter raus sei, in dem man nicht mehr den romantischen Helden darstellen könne – den Kerl, der das Mädchen bekommt. Und besonders frustrierend sei das natürlich angesichts all der schönen Frauen in seinen Filmen. Jetzt sei er eben der Regisseur, der „alte Typ da drüben“. weiterlesen »

